„Hauptsache die Späne fliegen“ Zerspanungsmechaniker Alexander und eine Greiferprothese

„Hauptsache, die Späne fliegen.“

Klein ist fein

Wenn’s um Millimeterarbeit geht, ist Alexander ganz in seinem Element. Kleinste Schräubchen, handgemachte Stahlfedern, superspezielle Metallbauteile … für ihn ein Traum: alles geben, damit eine Prothese auch unter schwierigsten Bedingungen funktioniert. Damit will Alexander anderen helfen und auch selbst zu den Paralympics sprinten.

 

Einfach besser sein


„Höchste Präzision: Das taugt mir. In allen Lebenslagen.“
Ausbildung – Ab hier beginnt der Abschnitt Ausbildung

Der perfekte Dreh

Zerspanungsmechaniker*innen sind gefragte Spezialist*innen, die aus Metall und anderen Werkstoffen spezielle Bauteile herstellen. Diese werden beispielsweise in Maschinen, Fahrzeuge und Flugzeuge oder aber auch in anspruchsvolle Prothesen eingebaut. Dabei kommen unterschiedliche Bearbeitungsverfahren aus den Werkzeuggruppen der Drehsysteme, Drehautomatensysteme, Frässysteme und der Schleifsysteme zum Einsatz.


 

Zerspanungs­mechaniker*in

Es gibt kaum einen Bereich in der Industrie, der ohne Produkte von Zerspanungsmechaniker*innen auskommt. Drehen, Fräsen, Schleifen sind wesentliche Inhalte der dreieinhalbjährigen Ausbildung. Viele Werkstücke entstehen aus einer Kombination mehrerer Bearbeitungsschritte. Einige werden von Hand gefertigt, viele jedoch auch durch sogenannte CNC-Maschinen. Hier programmierst du jeden der Arbeitsschritte exakt ein, damit die Maschine – viel schneller als du von Hand – die Werkstücke selbst bearbeitet.
Empfohlen wird ein mittlerer Schulabschluss (Realschule). Du solltest gut mit Zahlen umgehen können und gerne sowohl am Computer als auch körperlich arbeiten. Da Zerspanungsmechaniker*innen zumeist in einer industriellen Umgebung arbeiten, gehört auch die Bereitschaft dazu, sich auf Schichtarbeit einzulassen.

Das Ausbildungsgehalt von Zerspanungsmechaniker*innen beträgt:

  • 1. Ausbildungsjahr: 830–930 Euro
  • 2. Ausbildungsjahr: 910–980 Euro
  • 3. Ausbildungsjahr: 870–1.060 Euro
  • 4. Ausbildungsjahr: 1.010–1.120 Euro

Nach Abschluss der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt in der Regel zwischen 1.500 und 2.500 Euro (brutto).

Zerspanungsmechaniker*innen sind oft an Entwicklungen und dem Bau von Prototypen beteiligt – im Maschinen- und Anlagenbau, aber auch in der Prothetik oder der Herstellung medizinischer Hilfsmittel für eine bessere Alltagsbewältigung behinderter Menschen. Weil dabei der effiziente Einsatz von Ressourcen und Energie gefragt ist, können diese Spezialist*innen maßgeblich zu einer nachhaltigen Produkt- und Prozessentwicklung beitragen.


Verschmutzte Platte mit bionischem Anstrick. Schon ein Tropen Wasser entfernt allen Schmutz

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Greening – Ab hier beginnt der Abschnitt Greening

Menschen bewegen – diese Devise steht bei Otto Bock und auch bei Alexander über allem Tun. Die menschliche Natur dient als Vorbild für Prothesen und orthopädische Hilfsmittel. Sie ermöglichen Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Alltag. Sie sind damit eine wichtige technologische Basis für Inklusion. Alexander fehlt von Geburt an eine Hand. Heute sind für ihn die Prothese und der Umgang mit ihr so selbstverständlich wie das Zähneputzen. Dieses gute Gefühl will er auch anderen weitergeben.

 
Der packt das

„Es ist einfach super, aus einem kalten Metallklotz etwas erschaffen zu können, was anderen Menschen hilft.“


Vergiss den Terminator – das kann nicht mal der Arnie. Wenn Alexander anschnallt, wird aus der Hand ein ziemlich massives Werkzeug. Damit packt er Aufgaben, für die anstelle der empfindlichen menschlichen Hand „schweres Gerät“ zum Einsatz kommen müsste. „Ein bisschen spooky für andere“, sagt Alex. „Aber irgendwie doch krass gut.“ Das finden auch seine Mit-Azubis.

Das Powertool unter den Prothesen

Kraftvoll, stabil und schnell: Das ist der AxonHook. Aufgrund hoher Griffkraft und seiner robusten Konstruktion eignet sich diese Handprothese besonders für handwerkliche Arbeiten. Aber auch bei Tätigkeiten wie Kochen, Gartenarbeiten oder Hantieren mit Kleinteilen wird er gerne verwendet, denn hier sind besondere Präzision, Schnelligkeit und Griffkraft gefragt.


 
Menschen mit Behinderungen, die sich eigenständig bewegen und selbst versorgen können, stehen mitten im Leben. Einen großen Teil ihrer Alltagsmobilität erreichen sie aus eigener Kraft. Ist doch lässig: Wer gehen oder Fahrrad fahren kann, ist nicht ausschließlich aufs Auto angewiesen. Inklusion mithilfe intelligenter Prothetik geht so immer auch mit sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitseffekten einher.

Greening“ ist auch für Zerspanungsmechiker*innen immer ein Thema. Das fängt bei der Auswahl der Werkstoffe an und reicht bis zu rohstoff- und energiesparenden Verarbeitungsverfahren. Bei Präzisionsarbeiten ist möglichst wenig Wegschmeißen Teil der Aufgabe.

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Bionik – Ab hier beginnt der Bereich Bionik

Schneller, höher, weiter – die Natur macht’s vor

„Man sagt, der Mensch sei die Krönung der Schöpfung. Da ist was dran“, sagt Alexander. „Der Bewegungsapparat und seine Steuerung sind einfach einmalig.“ Mithilfe der Bionik versuchen Prothesenbauer*innen dies so gut wie eben möglich nachzuvollziehen; und stellen sich auch den richtig schwierigen Aufgaben wie gefühlvollem Greifen oder Treppensteigen und Rückwärtsgehen.

 
Alles auf Sieg

„Die Natur kann’s, wir müssen daran arbeiten. Eine Prothese muss auch beim Skifahren und bei -10 °C hundertprozentig zuverlässig funktionieren.“


Das Leben im Vollgas-Modus: Alexander ist nicht nur Vollblut-Zerspanungsmechaniker, sondern auch Leichtathlet, und zwar ein ziemlich erfolgreicher. 100-, 200- und 400-Meter sind seine Stammstrecken. Bei der Europameisterschaft holte er 2015 Bronze, als Nächstes peilt er die Weltmeisterschaft und dann die Paralympics in Tokio an. Gerade testet Alexander eine spezielle Sprinterarmprothese. „Sie gibt mir Schwungmasse und Stabilität in der Bewegung“, sagt er. Das hört sich nach einem guten Lauf an.


 

Da geht was: Full speed!


  • Alexander mit verschiedenen Prothesen an einem Tisch. Er selbst muss eine Armprothese tragen und kann sein KnowHow bestens einbringen

    Bei der Entwicklung und Konstruktion von Hand- und Armprothesen kann Alexander seine eigene Erfahrung als Anwender einbringen. Er weiß, wie sich die Technik anfühlen muss, um im Alltag zu bestehen.

  • Ein blauer Schraubstock, daneben verschiedene Armprothesen. Das Wichtigste ist, dass eine Prothese zu 100% passt.

    Eine elektronisch gesteuerte Armprothese ist Hightech aus den Ingenieurbüros von Otto Bock. Mindestens genauso wichtig ist dabei die handwerkliche Ausführung. Die Prothese soll zu 100 Prozent passen – und dabei ist doch jeder Mensch anders.

  • Alexander sitzt an einer Werkbank vor einem Werkstück. Er selbst wurde ohne rechte Hand geboren aber die perfekt angepasste Prothese lässt ihn das fast vergessen.

    Alexander bei der Arbeit: Die Prothese macht vergessen, dass er ohne rechte Hand geboren wurde. In der Lehrwerkstatt von Otto Bock in Wien kann er alle Aufgaben ohne Einschränkung meistern. Am liebsten hat er es, an kleinsten Details zu werkeln.

  • Viele Fräs- und Bohrköpfe. Zerspanungsmechanikern wie Alexander reicht nicht ein Fräskopf oder ein Bohrkopf, sie brauchen eine ganze Menge davon um richtig arbeiten zu können

    Die Azubis in der Lehrwerkstatt lernen das ganze Spektrum mechanischer Werkzeuge kennen. Alexander liebt die Arbeit mit den Maschinen und das Programmieren für die unterschiedlichsten Aufgaben.

  • Sportler Alexander. Trotz fehlendem rechten Unterarm hat er schon die Bronzemedaille im Laufen gewonnen. Dabei hilft ihm eine perfekt austarierte „Laufprothese“ an der er selbst mitentwickelt hat

    Die Paralympics in Tokio 2020 sind das große Ziel von Alexander. Als Sprinter baut er seine Leistung immer weiter aus. Dabei hilft ihm jetzt auch eine spezielle Läuferprothese. Sie macht seinen Start explosiver und sorgt für ein besseres Gleichgewicht in der Laufdynamik.

Der AxonHook im Detail

Der AxonHook greift zentrale Funktionen der Hand auf und macht daraus ein alltagstaugliches Greifwerkzeug. Er ist stabiler und kraftvoller als die menschliche Hand und damit ein echtes Powertool.
Die Technik ermöglicht ein sicheres und präzises Greifen von Gegenständen, verbunden mit einer hohen Griffkraft. Zugleich ist ein schneller, unkomplizierter Wechsel mit der Michelangelo Hand, einer weitgehend naturgetreuen Nachbildung der Hand, möglich.
Die Prothese wird zum Türöffner im beruflichen und privaten Alltag. Sie ermöglicht den Anwender*innen ein breites Spektrum an Greiffunktionen. Eine solche Prothetik setzt anstelle der Behinderung eine Auswahl an Möglichkeiten zur Teilhabe am Leben.